Nachgefragt

bei Dieter Kläy

Dieter Kläy war von Mai 2019 bis April 2020 Kantonsratspräsident von Zürich. Im Interview erzählt er, was er aus seiner Amtszeit mitnimmt, wie er die Coronakrise aus Sicht des Kantonsrates erlebt hat und was er sich für die Politik in den kommenden Monaten bezüglich Coronavirus wünscht.

Herr Kläy, was nehmen Sie aus der Zeit als Kantonsratspräsident mit?
Während zehn Monaten von Mai 2019 bis März 2020 – also vor der Corona-Krise – habe ich an vielen Anlässen teilgenommen, Reden gehalten und ein intensives Ratspräsidentenleben geführt. Ich nehme sehr viele gute Erfahrungen und Begegnungen mit und bin sehr beeindruckt über die Vielfältigkeit des Kantons Zürich.  

Sie beendeten Ihr Amt als Kantonsratspräsident in einer speziellen Zeit. Wie waren die letzten Monate für den Kantonsrat?
Weil das Rathaus an der Limmat viel zu eng ist, haben wir schnell einen alternativen Tagungsstandort gesucht, um die Gesundheitsvorgaben einzuhalten. Wir sind in der Messehalle 7 in Oerlikon fündig geworden. Im März und im April haben wir die dringlichen Vorlagen des Regierungsrates im Zusammenhang mit der Corona-Krise beraten. Mir war es immer wichtig, dass der Politbetrieb auf kantonaler Ebene funktionsfähig bleibt. Gerade in schwierigen Zeiten ist ein klares Zeichen seitens der Behörden nötig. Das hat der Kantonsrat gesetzt.

Wie haben Sie persönlich diese Zeit erlebt/wie erleben Sie diese Zeit?
Für mich war es eine sehr intensive Zeit. In meiner beruflichen Tätigkeit beim Schweizerischen Gewerbeverband hatte ich – bedingt durch viele Anfragen von KMU – einen 16 Stundentag. Daneben galt es, die Beratung der Geschäfte im Kantonsrat zu organisieren und durchzuführen. 

Sie engagierten/engagieren sich sehr für KMU’s in Zürich, sind als Ressortleiter beim Schweizerischen Gewerbeverband tätigt. Wie schätzen Sie die Lage aus der Sicht der KMU’s ein?
In einer ersten Phase von Mitte März bis kurz vor Ostern sind die Massnahmen des Bundesrates von den KMU und der Bevölkerung getragen worden. Ab Mitte April verschärften sich die Forderungen nach einer Öffnung. Mit seinen Lockerungsmassnahmen übte sich der Bundesrat ab Ende April im Mikromanagement, was sehr viele Unklarheiten und viel Unverständnis ausgelöst hat. Jetzt normalisiert sich zum Glück die Lage.  

Was wünschen Sie sich für die Zürcher Politik in den kommenden Monaten/Jahren?
Wir müssen mit guten Ideen und geeint an die Bewältigung der Corona-Krise gehen. Das Ausmass des Schadens wird sich in den kommenden Monaten erst noch zeigen. Die Bewältigung der Corona-Folgen wird Jahre dauern. Für die Finanzen des Kantons sehe ich schwarz. 

Wo wird die Politik wohl als Erstes ansetzen müssen, um die Gesellschaft wieder aus dieser Krise holen zu können/diese zu unterstützen?
Regierungs- und Kantonsrat haben Hilfspakete beschlossen, die es jetzt umzusetzen gilt. Dann geht es darum, die notwendigen Öffnungsschritte etappenweise zu vollziehen, so dass die Bevölkerung wieder Vertrauen fassen kann und wir so schrittweise wieder zur Normalität zurückkehren können.