bei Regine Sauter
Seit Mitte Juni ist Regine Sauter Verwaltungsrätin bei Federas. Die Direktorin der Zürcher Handelskammer und Nationalrätin erzählt uns, wieso sie sich politisch engagiert und wo sich ihrer Meinung nach die schönste "Badi" im Kanton befindet.
Sie haben Politik sowohl auf kommunaler, kantonaler als auch auf nationaler Ebene erlebt. Wie gut arbeiten diese Ebenen zusammen?
Jede Ebene hat ihre eigene Bedeutung, eigene ihr zugewiesene Kompetenzen und Funktionen. Im politischen Alltag zeigt sich, dass dies sehr viel Sinn macht. Wir gehen politische Fragen dort an, wo der Kreis der Betroffenen am grössten und direktesten ist: Den Bau von Schulhäusern z.B. in der Gemeinde, die Grundsätze des Steuersystems auf kantonaler Ebene und die Regelung der Altersvorsorge auf nationaler Ebne. Wichtig ist, dass wir Politikerinnen und Politiker uns stets bewusst sind, dass Entscheidungen auf einer politischen Ebene immer auch Konsequenzen für die anderen Ebenen haben.
Gibt es etwas aus der Zeit im Kantonsrat, das Sie im Bundeshaus vermissen?
Dadurch, dass ich meine Kantonsratskolleginnen und Kollegen wöchentlich sah, ergab sich ein offenes, kollegiales Verhältnis mit ihnen. Zum Teil wurden daraus über die Jahre auch sehr enge Freundschaften. In Bern ist dies schwieriger, da man sich nur während der Sessionen viermal pro Jahr sieht und dann auch relativ stark absorbiert ist, das bedaure ich ein wenig.
Wie wird der Kanton Zürich im Bundeshaus wahrgenommen?
Ich merke, dass die meisten Zürcher Parlamentarierinnen und Parlamentarier zurückhaltend sind bei der Betonung der Bedeutung unseres Kantons. Offenbar hat man Angst vor dem viel zitierten „Anti-Züri-Reflex“. Ich stelle jedoch fest, dass man uns sehr offen entgegentritt und auch bereit ist, die Anliegen unseres Kantons und damit eines bedeutenden Wirtschaftsraums zu berücksichtigen, wenn man gute Argumente hat.
Wieso politisieren Sie?
Schon in der Kantonsschule hatte ich Interesse an politischen Fragen, und ich hatte es sehr bedauert, dass ich bei der ersten Abstimmung über den Beitritt der Schweiz zur UNO 1986 noch nicht abstimmen durfte (damals lag das Stimmrechtsalter noch bei 20). Und bereits während meines Studiums in St. Gallen hatte ich entschieden – sobald ich mich einigermassen definitiv an einem Ort niedergelassen haben würde – in die Politik einzusteigen. Ich fand es immer grossartig, dass in der Schweiz alle die Möglichkeit haben, mitzubestimmen und ich wollte diese Möglichkeit nutzen. Das sage ich übrigens auch allen, die – sinnbildlich – nur am Stammtisch sitzen und Sprüche klopfen, denen es aber zu anstrengend ist, sich persönlich zu engagieren.
Sie sind in Flurlingen aufgewachsen. Welchen Bezug haben Sie noch zu dieser Gemeinde?
In Flurlingen übte ich mein erstes politisches Amt aus, ich war von der Stimmbevölkerung gewähltes Mitglied des Wahlbüros. Meine Mutter lebt noch immer dort, und ich besuche sie öfters. Dabei fällt mir auf, wie positiv sich die Gemeinde immer weiterentwickelt hat. Und ausserdem hat Flurlingen die schönste Badi im Kanton, nur schon um dort im Rhein zu schwimmen bin ich mindestens einmal pro Sommer wieder „daheim“.