Schlusspunkt

Rekrut Zwinselman - Ein Feldversuch

Nach drei Jahren Ausbildung bei Federas und einem Jahr Berufsmittelschule, folgte unser ehemaliger Lernende Yannick Zwinselman dem Ruf des Vaterlandes. Lesen Sie seinen Lagebericht aus dem Alltag als Rekrut.

05:30 Gamellengeklirr von links und rechts ist zu vernehmen, Geschrei hallt durch die Gänge, der militärische Alltag bricht hörbar an. Wenige Minuten später finden sich einige verschlafene Gesichter im Flur ein, geordnete Zweierkolonne, versteht sich. In der Fass-Strasse reiht man sich auf. Zu ergattern gibt es Antibock (Lusthemmer) in Form von Brot, Aprikosenkonfitüre sowie weissgefärbtes geschmacksneutrales Wasser.

07:00 der Kadi gewährt uns eine Audienz in Form des Antrittsverlesens (AV). Die “Achtung”-Pose erinnert mich an die Lehrzeit - wie gross sind doch die Gemeinsamkeiten zur morgendlichen Anreise in die Stadt mit der S-Bahn.

09:45 Die Zwischenverpflegung (Zwipf) mit Getreidestängeln und Co. liegt vor mir. Das koordinierte Umherirren in potenten Formationen, genannt Zugschule, wie auch die “Kampf komplett”- Verschiebung bereits hinter uns gebracht, blicken wir dem Gefechts-Schiessen entgegen. Das Computerspiel „Call of Duty“ kann da nicht mehr mithalten, wenn wir Panzerfäustler nach gerobbtem Stellungsbezug alles um uns herum unter einer Nebeldecke (und einem kräftigen Kaa-Boom!) verschwinden lassen.

12:00 Das Essen ist serviert. An dieser Stelle möchte ich einmal mit einem alten Irrglauben aufräumen: Das Essen ist sensationell! Besten Dank ans Küchen-Team.

13:00 Schützen, Pamir auf! Gleiches Programm wie vor dem Essen.

19:00 Wiedererstellung der Einsatzbereitschaft (WEB). „Sie haben 60 Sekunden um das Gewehr auseinander zu nehmen…ab jetzt“.

23:30 Das Abendverlesen (ABV) wurde durch die Liegen- und Warteposition etwas kurzweiliger gestaltet. Wieder verschwitzt (das 13. Mal heute), sitze ich nun mit Bleistift und Papier auf meinem exakt gedrittelten Bettduvet. Mein Blick schweift Richtung Fenster. Es gilt einen Schlusspunkt zu setzen. Nicht aber hier im Militär, das Ende ist noch weit. Ich blicke nicht nach vorn. Aber ins hier und jetzt. Die Kameradschaft, der Genuss der Gegenwart. Sicherlich die zwei schönsten und wertvollsten Dinge die ich in der Rekrutenschule schätzen lernte.