bei Hans-Peter Hulliger
Hans-Peter Hulliger blickt auf 28 Jahre als Gemeindepräsident von Bäretswil zurück und erklärt, wieso sich seiner Meinung nach die Amtszeiten künftig verkürzen werden.
28 Jahre Gemeindepräsident, das braucht einen langen und kräftigen Schnauf: Wie haben Sie sich fit gehalten?
Meine Jahre als Gemeindepräsident und gesamthaft 36 Jahre in der Kommunalpolitik sind wie im Flug vorüber gegangen. Dies verdanke ich sicher meinem Interesse an unserem föderalistischen Staat, denn von diesem Erfolgsmodell bin ich überzeugt. Sicher ist es mir aber auch gelungen zwischen Familie, Politik und Beruf klar abzugrenzen. Fest eingeplante Ferien und einzelne verlängerte Wochenenden mit der Familie garantierten den nötigen Freiraum. Der körperlichen Fitness dienten Skifahren, Skilanglauf und Segeln.
Inwiefern haben sich Ihr Aufgabenbereich und die behandelten Themen in dieser Zeit verändert?
Grundsätzlich haben sich die Aufgaben nicht geändert. Die Gemeinde soll die für den Bürger notwendigen Dienstleistungen sicherstellen. Hingegen hat sich die Ausführung der Arbeiten verändert. Dank den neuen Medien stehen Informationen viel schneller und in grösseren Mengen zur Verfügung. Dies führt oft zu mehr, sicher auch berechtigten, Fragen. Mehraufwand verursacht das Wachstum der kantonalen und eidgenössischen Verwaltung. Wir leisten uns einen überbordenden Perfektionismus. Weniger wäre mehr! Nicht jedem Fehler soll ein neues Gesetz folgen, sondern der Fehler soll korrigiert werden und Fehlbare zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Gemeinde Bäretswil hat sich unter Ihrer Führung von einer der ärmsten Gemeinden in der Region zu jener mit dem tiefsten Steuerfuss im Bezirk Hinwil entwickelt. Auch aktuell kämpfen wieder zahlreiche Gemeinden mit Geldsorgen: Was war/ist Ihr Erfolgsrezept?
Gesamtheitliches Denken und langfristige Planung. Dazu braucht es aber Unterstützung in der Führung der Gemeinde. Wir führten 2002 die Einheitsgemeinde ein, der Gemeinderat willigte schon frühzeitig der Einführung einer Schuldengrenze ein (max. CHF 1‘000 Verschuldung pro Einwohner) und war bereit die langfristige Finanzplanung auch einzuhalten. Das Verständnis der Finanzmechanismen und ausgezeichnete Fachleute in der Verwaltung haben zum Erfolg beigetragen. Natürlich haben wir uns immer wieder gesagt, wir können nicht mehr ausgeben als einnehmen. Als Folge davon mussten Projekte verschoben oder redimensioniert werden.
Als Präsident der Gemeindepräsidenten (GPV) haben Sie viele Amtskolleginnen und -kollegen kennen gelernt. Hat sich das Profil des Gemeindepräsidenten verändert und wenn ja inwiefern?
Von der Aufgabe her hat sich eigentlich nicht viel geändert. Der Anspruch an die Führung der Gemeinde durch den/die Gemeindepräsident/in besteht nach wie vor. Schwieriger wurde es aber durch die zunehmende Komplexität der Aufgabenerfüllung. Mehr und mehr werden auch Gemeindepräsidenten/innen durch Experten und verschiedene aussenstehende Organisationen kritisiert. Um zu bestehen braucht es starke Persönlichkeiten und Durchhaltewillen. Der Gemeindepräsident muss zusammen mit dem Gemeinderat die Entscheide für die Gemeinde fällen und verantworten. Aufgrund dieses äusseren Drucks sehe ich eine Entwicklung zu kürzeren Amtsdauern der Präsidenten.
An welchen Moment/Situation Ihrer politischen Karriere werden Sie immer mit einem Lächeln zurückdenken?
Heute kann ich lächelnd auf den Start als Gemeindepräsident zurückblicken. Dieser war aber hart. Als Folge eines Streites zwischen Verwaltung und einem Teil des Gemeinderates, kündigte mit Ausnahme des Steuersekretärs die ganze Verwaltung. Der Gemeinderat wurde vom Volk in einer nicht ganz erwarteten Zusammensetzung gewählt. Also hiess es zusammen mit einem neuen jungen Gemeindeschreiber anpacken und arbeiten. Heute sind wir beide stolz auf das erreichte und die gute Situation unserer Gemeinde.