Nachgefragt

bei Christoph Meier-Krebs

Die Stiftung Chance vermittelt jungen Müttern eine Lehrstelle, damit sie eine Berufsperspektive haben und eine Berufsausbildung mit Eidgenössischen Berufsattest (EBA) erlangen. Die Ausbildungsplätze werden als Pilotversuch für die Ausbildung als Büroassistentin angeboten. Wir fragen bei Christoph Meier-Krebs, Bereichsleiter Lehrbetriebsverbund der Stiftung Chance nach, ob der Start geglückt ist.

Wie lange gibt es das Projekt Mütter in Ausbildung (MIA) schon und wie kam es zustande?
Der Pilot startete diesen Sommer und ist schweizweit einmalig. Die Thematik ist schon lange vorhanden und schwirrte in unseren Köpfen umher. Der konkrete Auslöser war ein Lehrstellenanlass im Mai 2015, an dem drei junge Mütter auf uns zukamen und sich um Lehrstellen bewarben. Sie absolvieren ihre Ausbildung an vier Tagen in der Woche (inkl. Berufsschule und überbetrieblichen Kursen). Mit einem Arbeitspensum von 80 Prozent bleibt ihnen somit Zeit, sich um das eigene Kind zu kümmern und zu lernen.

Welche Reaktionen haben Sie seither erhalten?
Die Reaktionen sind durchweg positiv und der Pilot wird von vielen Seiten unterstützt: In relativ kurzer Zeit konnten wir zwei namhafte Firmen gewinnen, die mit uns zusammen die beiden Lernenden ausbilden. Und das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) des Kantons Zürich bewilligte unseren Pilotversuch mit dem Beruf Büroassistentin. Die Finanzierung ist jedoch noch nicht gesichert und wir warten gespannt auf die Reaktion der angeschriebenen Stiftungen.

Wie gross ist die Nachfrage seitens der jungen Mütter?
Wir hatten keine Probleme, die zwei Lehrstellen im Bürobereich zu besetzen. Andere Berufe wurden ebenfalls nachgefragt, aber wir konnten leider noch keine Ausbildungsplätze anbieten.

Welche Kompetenzen bringen junge Mütter als Lernende im Vergleich zu anderen mit?
Die jungen Mütter bringen eine grosse Sozialkompetenz mit, die sie im Umgang mit ihrem Kind gelernt haben. Ebenfalls wissen sie, wie sie mit verschiedenen Ansprüchen von aussen umzugehen haben. Sie sind sehr selbständig und denken für andere mit.

Sind auch Gemeindeverwaltungen als Einsatzbetriebe denkbar?
Es wäre gut denkbar und sehr begrüssenswert, wenn sich auch Gemeindeverwaltungen am Pilotversuch beteiligen würden.

Was überzeugt Sie persönlich an diesem Projekt?
Es gab bis heute kein Angebot für junge alleinerziehende Mütter mit einem Berufsbildungs-Wunsch. Diese Lücke können wir nun mit einem kleinen Beitrag schliessen und darüber bin ich sehr froh! Wenn wir unseren Pilotversuch positiv abschliessen, ist das MBA bereit, weitere Berufe aufzunehmen.