bei Theres Weber-Gachnang
Mitte Mai endet die Amtszeit der Kantonsratspräsidentin Theres Weber-Gachnang. Die 56-Jährige Geschäftsfrau und dipl. Pflegefachfrau blickt auf ein spannendes und intensives Jahr zurück.
Sehen Sie nach diesem Jahr den Kanton Zürich aus einem anderen/neuen Blickwinkel?
Die verschiedenen Anlässe, Gremien und Institutionen, die ich besucht habe, zeigen wie spannend und vielseitig unser Kanton Zürich ist. Man erlebt einmalige Augenblicke und steht manchmal vor grösseren Herausforderungen, die aber den Reiz dieses Amtes ausmachen. Nach 15 Jahren Kantonsrat kennt man den Kanton recht gut. Das Präsidium öffnet einem noch mehr Türen. Es wird aber auch voller Einsatz an allen Fronten erwartet. Für mich wird dieses Jahr unvergesslich bleiben!
Auf welche Erfolge sind Sie besonders stolz?
Als Präsidentin hat man nicht unbedingt Erfolge. Man leitet die Sitzungen und vertritt den Kanton Zürich nach innen und aussen. Man ist Präsidentin für alle. Ich bin dankbar, dass ich für dieses sehr interessante Amt von meiner Partei nominiert und vom Kantonsrat gewählt wurde. Schön ist, wenn ich von verschiedenen Parteien Lob für meine Leitung erhalte. Das Amt erfordert viel Zeit und vollen Einsatz, aber es ist äusserst spannend.
Welche persönlichen Eigenschaften sind von Vorteil in diesem Amt?
Man muss sich politisch zurücknehmen können. Grosse Flexibilität und Belastbarkeit sind ebenfalls zwingende Eigenschaften. Zudem muss man den Rat führen können und auch schwierigere Abstimmungen korrekt durchführen. Manchmal gehen die Emotionen hoch, dann gilt es Ruhe im Saal zu bewahren.
Was wünschen Sie sich von den Gemeinden mit Blick auf die künftigen Herausforderungen in unserem Kanton?
Die Gemeinden werden zunehmend mehr belastet - sei es mit Statistiken oder sonstigen Erhebungen oder aber mit Mehrausgaben. Die Bürokratie und der Verwaltungsaufwand wird unter dem Deckmantel von Sicherheit, Gesundheit oder Datenschutz massiv aufgebläht. Ich wünsche mir, dass sich die Gemeinden vermehrt wehren. Dass sie an Vernehmlassungen teilnehmen und ihren Vertretern zeigen, welche Auswirkungen ein neues Gesetz oder eine neue Aufgabe hat. Es geht für mich nicht, dass der Kanton befiehlt und die Gemeinden bezahlen müssen. Vielleicht müsste man auch den Mut haben, gewisse Formulare und Statistiken zu hinterfragen, sonst ertrinken wir in der Papierflut.
Sie engagieren sich für die Politik, weil…
...ich sie sehr spannend finde und gerne an guten, vernünftigen und bezahlbaren Lösungen mitarbeite.
Wie und wo investieren Sie die „wiedergewonnen Stunden“ nach der Amtsübergabe?
Das ist noch völlig offen. Ob ich vermehrt arbeite oder eine andere Aufgabe übernehme, sehe ich dann ab Mai. Das Gesundheitswesen und das Gewerbe sind meine politischen Schwerpunkte. Vielleicht kann ich meine Erfahrung und mein Wissen irgendwo einbringen. Ich werde aber auch wieder etwas mehr Zeit haben für mich und meine Familie.