Nachgefragt

bei Dr. Louis Perron

Hat die Art und Weise, wie in den USA der Wahlkampf um die Präsidentschaft geführt wurde, Einfluss auf Wahlen in der Schweiz? Auf diese und andere Fragen antwortet Dr. Louis Perron, Politologe und Politberater.

Hat die Art und Weise wie in den USA der Kampf um die Präsidentschaft geführt wurde, Einfluss auf Wahlen in der Schweiz?
U.S.-Präsidentschaftswahlen sind für die Politik, was die Fussballweltmeisterschaft für den Sport darstellt. Es ist die teuerste, intensivste und professionellste Schlacht. Deshalb fasziniert uns das ja auch. Dabei gilt: Man kann sich inspirieren lassen und viel lernen, darf aber nicht blind kopieren. Es gibt wichtige kulturelle und systembedingte Unterschiede.

Werden kommunale Wahlkämpfe in den USA anders geführt als jener um die Präsidentschaft? Welche Unterschiede gibt es zum kommunalen Wahlkampf in der Schweiz?
Nationale Wahlen finden vor allem in den Medien statt. In kommunalen Wahlkämpfen – in den USA wie auch bei uns – kann man hingegen mit physischer Präsenz einiges ausrichten. Bei uns zeigt man Ambitionen aber nicht so offen wie in den USA – in der Politik schon gar nicht. Der effizienteste lokale Wahlkampf ist also derjenige, der nicht aussieht wie Wahlkampf. Dabei ist es aber wichtig, zu zeigen, dass man seinen Ort kennt, spürt und repräsentiert. Zu oft sehen wir leider Propaganda, welche genau gleich in jedem anderen Dorf der Schweiz auch verteilt werden könnte.

Welche drei häufigsten Fehler werden in Schweizer Wahlkämpfen Ihrer Meinung nach gemacht?
Man beginnt zu spät mit der Planung, hört zu früh mit dem Wahlkampf auf und kämpft dazwischen viel zu wenig.

Hat sich die Art und Weise wie in der Schweiz Wahlkämpfe betrieben werden, in den letzten Jahren verändert?
Die direkte Demokratie sowie das Prinzip der Machtteilung nimmt den Wahlkämpfen bei uns den Wind etwas aus den Segeln. Trotzdem würde ich aber schon von einer Intensivierung auf tiefem Niveau sprechen. Es war vor allem die SVP, welche während den 1980er und 1990er Jahre damit begann, wirklich zu kämpfen. Die anderen kamen unter Zugzwang.

Die sozialen Medien werden in der Schweiz immer noch stiefmütterlich für Wahlkämpfe eingesetzt und wenn z.B. Videos gedreht werden, sind Sie meistens irgendwie peinlich...
Nicht nur der Wahlkampf online, sondern auch derjenige offline, also zum Beispiel Auftritte und Debatten, ist oft etwas peinlich. Schauen Sie, Meteo ist praktisch jeden Tag die meist gesehene Fernsehsendung im Land. Wenn wir Schweizer fertig sind mit der Arbeit und gegessen haben, interessiert uns am meisten, ob wir morgen früh einen Regenschirm brauchen, wenn wir zur Arbeit gehen. Das sagt doch etwas aus über uns und unser Temperament. Für die Qualität der Politik ist das aber wohlverstanden nicht nur schlecht.

Für kommunale Ämter findet sich mit Glück oft nur ein freiwilliger Kandidat. Es findet also gar kein Wahlkampf statt, der Bürger hat gar keine Wahl. Was sind die Konsequenzen?   
Zu einem gewissen Teil ist das wohl die Konsequenz unserer Zeit. Viele Leute sind nicht mehr stark an ihrem Wohnort und ihrem Quartier verwurzelt. Ich würde aber nicht generalisieren. Wir hatten in letzter Zeit immer wieder mal auch sehr emotionale und hart umkämpfte lokale Wahlen.

Haben Sie mehr Kunden, die bereits ein Amt innehaben oder solche, die in eines gewählt werden möchten und sich deshalb Unterstützung bei Ihnen holen?
Meistens kontaktieren mich Leute, welche wissen, dass sie eine Herausforderung vor sich haben. Es sind also solche, die zum ersten Mal kandidieren, die eine schwierige Wiederwahl vor sich haben oder die für ein höheres Amt kandidieren wollen. Also zum Beispiel ein Gemeindepolitiker, der in den Kantonsrat will, oder ein Kantonsrat, der in den Nationalrat will. Grundsätzlich tut Beratung aber allen gut, denn selbst Mike Tyson brauchte einen Trainer.

Dr. Louis Perron ist Politologe und Politberater. Während der letzten Jahre hat er mitgeholfen, rund zwei Dutzend Wahlkämpfe zu gewinnen. Er unterrichtet einen Kurs an der Universität Zürich in «Politisches Marketing – Theorie und Praxis von Wahlkämpfen».